Veröffentlicht am

Joohoo – Joohoo

Ein für die Museumsbahner des HESSENCOURRIER erfolgreiches Jahr 2017 neigt sich dem Ende entgegen. Es ist Anfang Dezember und die Adventszeit hat begonnen. Während der Zug sich noch durch den Schnee kämpft wartet im dichten Wald schon der Nikolaus auf die Kinder.

Warten auf den Zug

Ein eisig schneidender Ostwind fegt durch die Wipfel des uralten Fichtenbestandes im Wolfsholz, eines ausgedehnten Waldgebietes an der abseits gelegenen Bahnstrecke zwischen Balhorn und Altenstädt im Wolfhager Land. In der Nacht einsetzender Schneefall hat die Bäume in einen märchenhaften Winterwald verwandelt. Der Himmel ist grau verhangen. Im Wald herrscht eine wohltuende Ruhe, ab und an nur durch das rhythmische Klopfen eines Spechtes in unmittelbarer Nähe unterbrochen.

Die Minuten scheinen zu kriechen. Gespannt horcht das Ohr in die Ferne. Da, war da nicht etwas!

Schwach, ganz schwach, aber trotzdem vernehmlich, war kurz das Pfeifen einer Dampflokomotive in weiter Entfernung zu vernehmen.

Nikolausfahrt mit dem Hessencourrrier 2017

Von wo kam das? Breitenbach? Oder doch schon Bad Emstal? Prüfend geht der Blick zu den an einen dicken Baum gelehnten Säcken mit den Süßigkeiten für die Kinder.

Sollte ich doch schon die alte Stalllaterne entzünden, damit sie später ordentlich brennt? Liegen Rute und Goldenes Buch griffbereit? Auch der Engel, wenige Schritte weiter hinter einem dicken Baum, nestelt nervös am prachtvollen Gewand und den großen Flügeln.

Der nächste Pfiff der Lokomotive ist schon viel näher und hallt als mehrfaches Echo durch den scheinbar menschenleeren Winterwald.

Es wird aber auch Zeit! Die Kälte kriecht, trotz dickem roten Mantel und schwerer Lederstiefeln, langsam von unten an einem hoch. Die zugige Ostluft trägt gedämpft die harten Abdampfschläge der Lokomotive, vermutlich in der kurzen knackigen Steigung vor Balhorn, bis zu uns her.

Der Nikolaus-Zug des HESSENCOURRIER naht. Die Spannung steigt.

Es ist an der Zeit sich fertig zu machen. Mit dem Engel spreche ich noch schnell den einzuschlagenden Weg durch das Unterholz ab und zünde die mitgebrachte Laterne an. Dann kauern wir uns hinter die dicksten Bäume.

Nikolaushalt im Wolfsholz

Markerschütternd hallt das langgezogene Dampflokpfeifen durch die Stille des Waldes.

Langsam rollt der Zug im Gefälle des Wolfsholz, um schließlich mit quietschenden Bremsen am Halt-zeigenden TB 0 – Tannenbaum Null, das Nikolaus-Signal – zum Stehen zu kommen. Stille. Einzig das nervöse Klopfen der Lokomotiven-Luftpumpe durchbricht die Ruhe.

Dann sind Stimmen zu hören. Zuerst nur zaghaft, schließlich immer deutlicher sind helle Kinderstimmen zu vernehmen. Was rufen sie? Wen rufen sie? Ich glaube sie rufen laut nach dem…

„Nikolaus! Nikolaus! Komm heraus!“ … meine ich zu verstehen.

Noch einen kurzen Moment die Spannung erhöhen, dann mit einem entschlossenem Ruck bewegen wir uns aus der Deckung. Bedächtigen Schrittes suchen der Nikolaus und der Engel an seiner Seite den Weg durch das Unterholz zum vollbesetzten Zug.

Nikolausfahrt mit dem Hessencourrrier 2017

Das Rufen der Kinder wird immer lauter, als unsere ersten Bewegungen in der Tiefe des Waldes auszumachen sind.

Nach Erreichen der kleinen Lichtung direkt an der Strecke schweift der erhabene Blick des Nikolaus entlang des Zuges. Viele Kinder schauen erwartungsvoll aus den Abteilfenstern und begrüßen den Mann im roten Gewand und weißem Bart mit lauten Rufen.

Nachdem zunächst die Dampflok-Personale mit Süßigkeiten bedacht sind, geht es schweren Schrittes am langen Zug entlang bis zum am Ende laufenden Packwagen. Irgendwo zischen undichte Heizleitungen. Weiße Dampfschwaden steigen an den Wagen auf und verlieren sich im Nichts der kalten Winterluft.

Mit Mühe im mollig warmen Packwagen Platz genommen, heißt es zunächst einmal die vielen Kinder über Bordmikrofon zu begrüßen und auf die Bescherung während der Rückfahrt nach Kassel einzustimmen.

Ruckend setzt sich der Zug mit seinen himmlischen Gästen im Wolfholz Richtung Naumburg in Bewegung.

Nikolausfahrt mit dem Hessencourrrier 2017

Bescherung auf der Rückfahrt

Schnell sind die zwei Stunden Aufenthalt vergangen, in denen die Vorbereitungen für die von allen Kindern sehnlichst erwartete Rückfahrt getroffen wurden. 16 Uhr – es ist soweit. Der Nikolauszug des HESSENCOURRIER startet zurück nach Kassel. Mit dem Engel an der Seite beginnt der Dienst des Nikolaus. Schwer bepackt mit den Geschenke – Säcken geht es über die schwankende und zugige Plattform zum ersten Wagen.

Laut gegen die Tür pochend kündigt sich der Nikolaus an. Nach dem Öffnen der Abteiltür schlägt den beiden eine bullige Wärme entgegen. Alle Augen sind gespannt auf den Mann im roten Rock und der leuchtenden Stalllaterne gerichtet. Fotoapparate blitzen auf, Kameras laufen.

„Joohoo – Joohoo! Da bin ich – auf den ihr so lange warten musstet“, begrüßte er hauptsächlich die im Abteil sitzenden Kinder.

Voller Neugier, aber auch mit Respekt, antworten die Kinder auf die Fragen des Nikolaus. Manche Kinderhand wird dem „alten Mann“ nur zögerlich zur Begrüßung entgegen gestreckt. Kleine Gedichte und manchmal auch Lieder werden mit zittriger Stimme, aber leuchtenden Augen vorgetragen.

„Für jedes Kind ein Geschenk…“, dröhnt die Stimme des Himmelsboten laut und rau.

Der Engel ist fleißig damit beschäftigt die Geschenke an die Kinder zu verteilen, bevor sich der Nikolaus bis zum kommenden Jahr verabschiedet und das nächste Abteil betritt.

Beim Erreichen der alten „Donnerbüchse“ am Ende des Zuges gibt es für den Nikolaus und Engel noch eine besondere Überraschung.

Die Batterien der Wagenbeleuchtung sind mittlerweile erschöpft. Kinder und Erwachsene sitzen im dunklen Abteil. Im Schein der alten Stalllaterne, die für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgt, werden Weihnachtslieder angestimmt. Für alle Anwesenden ein bewegender Moment und würdiger Abschluss einer wiederum gelungenen Nikolausfahrt des Museumsbahnvereins HESSENCOURRIER.

Fahrten, bei denen der Verein und seine aktiven Mitglieder das vorhandene Potential eindrucksvoll unter Beweis stellen, und die sich Jahr für Jahr größerer Beliebtheit erfreuen.

Der Nikolaus aus dem Wolfsholz

Veröffentlicht am

Nikolausfahrt im Schneegestöber

Der erste Advent begrüßte uns dieses Jahr mit einer überzuckerten weißen Landschaft und rieselndem Schnee. Perfekte Vorraussetzungen für die Nikolausfahrt nach Naumburg. Die Freude über das schöne Winterwetter wurde beim Personal des Hessencourriers jedoch überschattet vom Bangen, ob wir mit dem schweren Zug überhaupt den Berg hinauf kommen.

Nikolausfahrt mit dem Hessencourrrier 2017
Mit jedem Wagen, der nach dem Bahnhof Elgershausen in die größte Steigung der Strecke fuhr, wurde der Zug langsamer. Nachdem diese kritische Stelle überwunden war, fuhr die Lok unermüdlich gen Hoof. Von unserer Heizerin Anna Becker stets auf Druck gehalten. In der Sägewerkskurve wurde es noch einmal knifflig, kurz vor dem höchsten Punkt der Strecke. Aber auch dies meisterte unser Lokführer Jens Karasek mit Bravour. Dafür gab es dann im Bahnhof Hoof auch redlich verdienten Applaus und einen Kaffe zum aufwärmen.

Nikolausfahrt mit dem Hessencourrrier 2017
Nun fiel die Anspannung von der Truppe ab und man freute sich auf das Treffen mit dem Nikolaus im verschneiten Winterwald. Der wartete schon auf uns und zitierte erstmal Lokmannschaft vom Führerstand. Natürlich nicht für eine Standpauke sondern für Geschenke.

Nikolausfahrt mit dem Hessencourrrier 2017

Nikolausfahrt mit dem Hessencourrrier 2017

Auch die vielen Kinder im Zug wurden vom Nikolaus begrüßt, bevor er in den Zug einstiegt. Nach der langen Reise durch den verschneiten Wald brauchte er erst einmal etwas Zeit zum Aufwärmen. Für das Verteilen der Geschenke mussten sich die Kinder bis zur Rückfahrt gedulden. Aber vorher ging es noch das letzte Stück nach Naumburg und dort zum Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz oder für einen Besuch in das Eisenbahnmuseum im Bahnhof.

Nikolausfahrt mit dem Hessencourrrier 2017

Nach dieser anstrengenden aber auch sehr, sehr schönen Fahrt freuen wir vom Hessencourrier uns schon auf nächstes Wochenende, wenn nocheinmal zwei Fahrten mit dem Nikolaus anstehen. Bis dahin wünschen wir allen Fahrgästen und Freunden des Hessencourriers und ihren Familien einen fleißigen Nikolaus und schöne Weihnachten.

Nikolausfahrt mit dem Hessencourrrier 2017

Veröffentlicht am

40 Jahre Verein HESSENCOURRIER e.V.

Vor 45 Jahren rollten die ersten Wagen von Hessens ältestem Museumszug HESSENCOURRIER über Nordhessische Gleise und damit länger als manche Kleinbahn. Vor 40 Jahren wurden die Vereine HESSENCOURRIER e.V. und  Arbeitskreis Historischer Zug Kassel e.V. gegründet.

Von der auf  Schienen gestellten und mit Spurkranzrädern versehenen Postkutsche bis zum heutigen ICE spannt sich ein weiter Bogen technischer Entwicklung. Der HESSENCOURRIER möchte mit seiner Sammlung ein Stück dieses Weges technischer Entwicklung am Objekt aufzeigen und der Nachwelt überliefern. So wird für den interessierten Fahrgast der Fortschritt der Technik am eigenen Leibe spürbar, aber auch der Hauch einer Epoche, die noch einen anderen Bezug zu Raum und Zeit hatte.

Erste Fahrt des Hessencourrier 1972 Kassel-Gudensberg
Erste Fahrt des Hessencourriers von Kassel nach Gudensberg am 24.September 1972. Zuglok V236. Photo: Gerd Schuppelius

Der Beginn.

Im Jahr 1970 wurden Kasseler Eisenbahnfreunden von der damaligen Kleinbahn Kassel-Naumburg zwei Personenwagen angeboten. Ende 1970 erfolgte der Kauf. Damit beginnt die Geschichte des HESSENCOURRIER. In den folgenden Jahren wurden weitere Fahrzeugraritäten vor der drohenden Verschrottung gerettet. Für die Initiatoren und Mitarbeiter des Zuges wurde die Gründung eines den Zug betreuenden und betreibenden Museumseisenbahn-Vereins mit entsprechender Satzung  unumgänglich. Am 18. Februar 1977 wurde der Verein HESSENCOURRIER e.V. gegründet, Er führt den Betrieb des Zuges durch. Schon kurz danach, am 26. September 1977 entstand bei Vorstands- und Mitgliedergleichheit als zweiter Verein der Arbeitskreis Historischer Zug Kassel e.V. zum Sammeln von Spenden und zum Kauf weiterer Fahrzeuge.

Die Fahrzeugsammlung hatte das Ziel, preußisch-hessische Nebenbahn- und Kleinbahnfahrzeuge zu erhalten. Zielstrebig wurden zu diesem Thema passende Lokomotiven und Wagen erworben und größtenteils wieder betriebsfähig hergerichtet. Der Verein hat sich mittlerweile zu einem unverzichtbaren Element in der nordhessischen Museumslandschaft entwickelt, das an die historische Bedeutung der Eisenbahn für die Mobilität unserer Zeit erinnert. Von Beginn an war nicht nur eine Sammlung sondern darüber hinaus auch eine betriebsfähige Erhaltung von Fahrzeugen geplant, um das Reisen und die mit ihm verbundene Technik im frühen vorigen Jahrhundert zu demonstrieren. Das älteste Fahrzeug, ein Wagen, stammt aus dem Jahr 1894, das neueste, eine Diesellokomotive, wurde 1958 ausgeliefert. Die Wagen des HC stammen bis auf Ausnahmen von Hessischen Neben- und  Kleinbahnen oder waren dort in Betrieb.

Die Fahrzeuge

Ab 1972 wurde nach geeigneten Objekten Ausschau gehalten. Es wurden Wagen der Hersfelder Kreisbahn und der Gelnhäuser Kreisbahn zu erworben wie auch Raritäten wie der original „Schwalbacher“ Wagen (ein kurzer vierachsiger Wagen für den Bäderverkehr Wiesbaden – Bad Schwalbach) und ein preußischer dreiachsiger Nebenbahnwagen. 1977 war es bereits ein Zug von 8 betriebsfähigen Wagen.

Ab 1977 wurde auch über den Kauf eigener Triebfahrzeuge nachgedacht. Am 1. Dezember 1977 wurde der  Prototyp der kleinsten Henschel-Industriedampflokomotive, gebaut 1952, gekauft. Nach Einbau einer Druckluftbremsanlage  unternahm die HC 5 genannte Lok am 10. November 1978 ihre Jungfernfahrt.

Der Erfolg des Dampfbetriebes zeigte sich in steigenden Fahrgastzahlen. Nach 2 Jahren reichte die Leistung der HC 5 nicht mehr aus, um der  Nachfrage gerecht zu werden. Es lag nahe, die in Naumburg als Denkmal auf einem Sockel am Bahnhof aufgestellte letzte Dampflok (206) der KNE zu reaktivieren.

Zwei Jahre dauerte die Hauptuntersuchung der 206, die weitgehend in eigener Regie von Vereinsmitgliedern durchgeführt wurde Am 7. September 1985 wurde die Lok bei einer Sonderfahrt mit zahlreichen Prominenten wieder in Betrieb genommen und auf den Namen „Naumburg“ getauft. Im März 1985 stiftete die Enka dem Verein die 2-achsige Lok Nr. 3.

Wegen der starken Beanspruchung der Lok HC 206 und der näher kommende Hauptuntersuchung wurde eine weitere leistungsfähige Lok gesucht. Nach über einjährigen Verhandlungen erwarb der Arbeitskreis aus Polen die frisch untersuchte Schlepptenderlok der Baureihe 52 4544. Sie traf am 16. März 1990 in Kassel ein. Am 19. Mai erfolgte die Betriebsgenehmigung. Als letzte Dampflok kauften wir die einzige noch vorhandene Lok der BR 81 der ehemaligen Deutschen Reichsbahn, die 81 004. Nach ihrer Ausmusterung bei der Deutschen Bundesbahn im Jahre 1963 stand sie viele Jahre als Blickfang vor einem Baumarkt in Norddeutschland.

Damit gehören heute fünf Dampflokomotiv-Grundtypen zur Sammlung: HC 5 = Nassdampf-Industrietenderlok; HC 206 = Privatbahn-Heissdampftenderlok; HC 52 4544 = Reichsbahn Heissdampf-Güterzuglok mit Schlepptender; HC 81 004 = Reichsbahn Tenderlok, HC 3 = feuerlose Industrielok.

Für schwerere Arbeitszüge, Streckenarbeiten und die Überführung von Wagen von und nach Naumburg, aber auch für Personenzüge und als Nachschublok erwarben wir im Juli 2001 eine 650 PS starke Diesellokomotive mit Stangenantrieb, gebaut 1956 bei der Maschinenfabrik Kiel (MAK). Mit diesem Loktyp begann seinerzeit die Modernisierung und Rationalisierung privater Nebenbahnen. Die KNE besaß zwei ähnliche Maschinen von Henschel.

Zum Zusammenstellen der Züge und das Bewegen der kalten Dampfloks kauften wir zwei Diesel-Kleinlokomotiven (Typ Köf). Für Arbeiten an der Strecke schafften wir ein Arbeitsfahrzeug (Robel-Klv) mit einem hydraulischen Greifer und einem Anhänger an. Ein Zweiwegebagger ergänzt ihn. Letzter Lokzugang war eine bei Henschel gebaute Kleindiesellok mit diesel-elektischem Antrieb. Wir erhielten sie im Februar 2003 als Spende der Fa. Bombardier (Henschel-Nachfolger).

Je nach Gelegenheit wurden auch weitere Wagen für die Sammlung beschafft. Wiederherstellung und Erhaltung der Wagen erfolgen durch die Mitglieder, in einigen Fällen auch mit ABM- oder Berufsbildungs-Kräften. Der Aufbau bis zur Inbetriebnahme dauerte oftmals monate-, auch jahrelang und verschlang erhebliche Geldmittel.

Inzwischen wurde auch ein Güterzug mit den wichtigsten Güterwagentypen für verschiedene Transportaufgaben aus 6 Jahrzehnten aufgebaut. Drei gedeckter Güterwagen, ein offener Wagen, drei Flachwagen für die die Streckenunterhaltung, ein preußischer Güterzugpackwagen. Dazu gibt es weitere als Werkstätten und Lagerräume eingerichtete gedeckte Güterwagen, Flachwagen, einen Kesselwagen und einen Kranwagen.

Mit der Fahrzeugsammlung wird nahezu lückenlos die Entwicklung Personenwagen 1885 bis 1956 aufgezeigt und als technikgeschichtliches Zeugnis betriebsfähig erhalten. Der Fahrzeugpark des HESSENCOURRIER ermöglicht es, typische Zugkompositionen der Preußenzeit (bis 1921), der Reichsbahnzeit (1922-1945), der Zeit nach 1945 wie auch der Kleinbahnen zu bilden. Mit der Originallok ex KN 206, den 5 Kleinbahnwagen der KN und älteren Güterwagentypen kann ein typischer gemischter Kleinbahnzug zusammengestellt werden, wie er fast 4 Jahrzehnte lang auf der „Naumburger“ fuhr. Er ist das Prunkstück unserer Sammlung.

Sie besteht heute aus folgenden Fahrzeugen:

5 Dampfloks (3 in Betrieb oder Untersuchung, 2 abgestellt), 1 Diesellok, 3 Dieselkleinlok (alle betriebsfähig), 1 Draisine (VW Bus), 1 Klv (Arbeitsfahrzeug, in Betrieb), 19 Personenwagen (15 betriebsfähig, 4 abgestellt), 3 Packwagen (3 betriebsfähig), 19 Güterwagen (5 betriebsfähig), 1 Zweiwegebagger, 1 Bagger zum Bekohlen, insgesamt 53 Fahrzeuge.

Der Betrieb – auf eigenem Gleis.

In den ersten Jahren, als wir noch keine eigenen Lokomotiven hatten, führte die KNE die Untersuchungen in ihrer Werkstatt aus und zog mit ihren Diesellokomotiven unsere Züge. Ein KNE-Zugführer übte die Aufsicht aus. Die Schaffner waren Vereinsmitglieder, die ihre erste Ausbildung bei einem befreundeten Bundesbahner erhielten.

Bis 1977 bestand noch die Bundesbahndirektion Kassel, zu der wir gute Verbindungen hatten. Mit Dampflokomotiven anderer Museumsbahnen befuhren wir häufiger nordhessische Strecken. Der HESSENCOURRIER fuhr 1973 beim DB-Jubiläum „125 Jahre Friedrich-Wilhelms-Nordbahn“, 1974 für die Touristikfirma „Hummel Reisen“ mehrere Bummelfahrten in Kassels Umgebung. 3 unserer Wagen nahmen am Jubiläum 150 Jahre Deutsche Eisenbahn in Nürnberg teil. Krönung waren 1990 Fahrten auf der Neubaustrecke zu deren Einweihung. Nach Auflösung der BD Kassel wurde die Strecke der KNE nach Naumburg zu unserer Hausstrecke.

Um eine Stilllegung des Streckenabschnitts Großenritte – Naumburg, Teil der früheren Kleinbahn Kassel-Naumburg, zu verhindern, gründeten 1992 die Gemeinden Baunatal, Schauenburg, Bad Emstal, Naumburg, der Landkreis Kassel sowie die Vereine Hessencourrier und Arbeitskreis Historischer Zug Kassel den Verein „Regionalmuseum Naumburger Kleinbahn e.V.“ Dieser pachtete die Strecke und beschafft finanzielle Mittel, die zur Unterhaltung der Bahnstrecke erforderlich sind. Für den Betrieb und die Unterhaltung der Strecke ist der Hessencourrier verantwortlich. Der Verein stellt den Eisenbahnbetriebsleiter und ist zugelassenes Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) und Eisenbahn Infrastrukturunternehmen (EIU).

Die Mitglieder – sie leisten eine umfangreiche Arbeit

Wer sind die Menschen, die in ihrer Freizeit eine private Eisenbahn betreiben, was motiviert sie, welche Voraussetzungen sind dazu erfoderlich?

Das wichtigste und verbindende Element aller Beteiligten ist das Interesse an und die Liebe zur Eisenbahn. Die Mitglieder kommen aus den unterschiedlichsten Berufen. Berufseisenbahner waren nicht darunter, jedoch wurden einige Mitglieder hauptberufliche Eisenbahner. Wichtigste Forderung an unsere Mitglieder ist Zuverlässigkeit: „Der Zug muss fahren, Sicherheit ist oberstes Ziel, Eisenbahn ist Teamwork.“ Bestimmte berufliche Fähigkeiten sind zwar wünschenswert, aber keinesfalls Voraussetzung zum Mitmachen. Auf diese Weise kann jeder nach Wunsch und Fähigkeit bei der gemeinsamen Arbeit am Hobby mitmachen und Ausgleich zum Alltag finden. Eisenbahn-Interessenten, denen die Zeit oder die Gelegenheit zum persönlichen Einsatz fehlen, haben wir satzungsgemäß den Status „Förderer“ eingeführt. Mit Geldspenden ist auch diese Art der Hilfe ein wertvoller Beitrag zur Erhaltung unserer Sammlung.

Die Vielfalt der Aufgaben reicht von der Verwaltung über die Finanzierung, Einarbeitung in die einschlägigen Gesetze, Werbung, die zahlreichen Unterhaltungsarbeiten wie schweissen, drehen, Blech und Holz bearbeiten, anstreichen, Fahrzeuge säubern, Betrieb eines Buffetwagens, Freiluftarbeiten an der Strecke bis zur Durchführung des Betriebes mit Kenntnis der Vorschriften und Ablegung der erforderlichen Prüfungen. Die Fertigkeiten und notwendige Ausbildung dazu werden vom Verein an die Mitglieder vermittelt. Betrieblich und rechtlich unterliegen die Mitglieder, die im Betrieb tätig sind, denselben Anforderungen wie Profi-Eisenbahner. Sie müssen deshalb Prüfungen ablegen, regelmäßig bahnärztlich untersucht werden, an Fortbildungen teilnehmen. So erfordert gerade dieses Hobby mehr als die meisten anderen vom Einzelnen hohes Verantwortungs- und Risikobewusstsein und persönlichen Einsatz.

Lohn der Mühe? Die Antwort darauf findet sich sicher nicht auf materieller Ebene. Aber: Herr zu sein über 1500 Pferdestärken (Lokführer und Heizer), freudige und dankbare Fahrgäste zu befördern (Zugführer, Schaffner und Buffetpersonal), aus einem Schrotthaufen wieder eine Lokomotive oder einen Wagen herzustellen (unsere Werkstatt) oder nur die Arbeit am Bahndamm in freier Natur sind Erlebnisse und Werte, die in einer Gesellschaft, in welcher der Erwerb materieller Güter eine oft beängstigend hohe Bedeutung für das Ansehen des Einzelnen besitzt, zur Zufriedenheit und für viele auch zur Selbstverwirklichung beitragenIm Jahr 1988 erhielt der Verein den Kasseler Denkmalspreis, im Jahr 2010 wurde ihm der hessische Denkmalspreis verliehen. Außerdem wurden mehrere Projekte vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie der hessischen Denkmalspflege gefördert, beides auch eine Anerkennung für die Vereinsarbeit und deren Öffentlichkeitswirkung.

Klaus Schulte