Förderpreis der Stiftung Deutsche Eisenbahn für neuen Hessencourrier-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe

SDE Förderpreis 2015 für den Hessencourrier-Bahnhof
Klaus Schulte bei der Dankesrede während der Preisverleihung am 14.11.2015 im Rahmen der VDMT Herbsttagung in Nürnberg

Anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens verlieh die Stiftung Deutsche Eisenbahn 2015 erstmals einen Förderpreis als Auszeichnung besonderer Leistungen für den Erhalt der Eisenbahngeschichte. In seinem ersten Jahr ging der mit 4500€ dotierte Preis an den Hessencourrier e.V. für den Neubau des vereinseigenen Bahnhofs. Begründet wurde diese Wahl mit folgenden Punkten:

  • Multifunktion: Bahnhof und Witterungsschutz einem
  • Verzicht auf historisierende Architektur
  • Effiziente Kombination ehrenamtlicher und professioneller Arbeiten bei der Errichtung der Anlagen
  • Stadtnahe Lage und damit gute Erreichbarkeit für die ehrenamtlichen Mitglieder
  • Optimierte Gestaltung in Bezug auf die mögliche Konzentration ehrenamtlicher Arbeitsleistung auf die Fahrzeuge und die Eisenbahn
SDE Förderpreis 2015 für den Hessencourrier-Bahnhof
Die Preisverleihung; von links: Rainer Balzer, Klaus Schulte, Heimo Echensperger

Der Bahnhofsbau

Im Sommer 2004 gewann die Hessische Landesbahn (HLB) die Ausschreibung für den Betrieb des nordhessischen Regionalbahnnetzes. Sie kündigte uns deshalb am 20.12.2004 unseren bisherigen Betriebsstandort Kassel-Wilhelmhöhe Süd.

Mit Hilfe der Stadt Kassel, konnten wir das unmittelbar neben dem bisherigen Bahnhofsgelände vom Gleis nach Naumburg erschlossene Grundstück mit den beiden ehemaligen Panzergleisen der Lüttichkaserne vom Bund kaufen. Der Vertrag wurde am 14. Dezember 2006 unterzeichnet.

Nun wurde zunächst der neue Bahnhof geplant. Ein Fachmann berechnete die Gleise für den Bahnhof, der neben einem Bahnsteiggleis ein Abstellgleis, ein Umfahrgleis und 2 Stumpfgleise  zum Abstellen von Fahrzeugen erhielt. Auf einem weiteren Grundstücksteil sah die Planung einen Lokschuppen mit Werkstatt vor. Am 13. Juni 2007 kam die Genehmigung der Gleisplanung für den neuen HC-Bahnhof  vom zuständigen Regierungspräsidium. Der Bau konnte beginnen. Die eisenbahntechnische Abnahme der Anlage durch den LfB erfolgte am 8. August 2007.

Da wir nun ein eigenes Vereinsgelände hatten, konnten weitere Wunschplanungen verwirklicht werden. Es wurde eine offene Halle über sämtliche Gleise entworfen. 140 m Länge und an der breitesten Stelle 26 m misst die Stahlkonstruktion. Der Vorentwurf unseres Vorsitzenden fand bei den Mitgliedern Zustimmung. Ein Architekturbüro präzisierte den Entwurf und reichte ihn ein. Am 21. Januar 2008 erhielten wir die Baugenehmigung des Regierungspräsidiums. Der Bau begann. Wochenlang wurde geschweißt, die Konstruktion von Mitgliedern gestrichen. Gleichzeitig wurden vor Ort die Fundamente  in Eigenarbeit eingemessen und ausgebaggert, die Bewehrung hergestellt und eingebaut, schließlich mit Transportbeton gegossen.  Die Stahlkonstruktion wurde mit einem großen Kran innerhalb kurzer Zeit errichtet, anschließend eingedeckt. 2009 war der ganze Bahnhof von dem großen Dach überspannt, das die Fahrzeuge vor Witterungseinflüssen schützt. Die Abnahme vom LfB war am 9. April 2009. Der Bau wurde nur durch die weitgehende Eigenleistung und Hilfe der Mitglieder möglich.

Unmittelbar danach begann der Bau des Lokschuppens.  Im  März 2009 reichten wir die Pläne ein. Am 3. September 2009 kam die Genehmigung. Im Frühjahr 2010 konnten die Erdarbeiten, die Herstellung der Fundamente und der Bau der Untersuchungsgruben beginnen. Vor Einbruch der kalten Jahreszeit wurden die Arbeiten abgeschlossen. Im Frühjahr 2011 begannen die Vorbereitungen zum Bau der Stahlportale der Hallenkonstruktion. Anfang Juni wurden sie, wieder mit einem großen Autokran, in wenigen Tagen aufgestellt. Es folgte das Aufmauern der Seitenwände bis 3 m Höhe. Anschließend wurden die Seitenwände aus Fertigelementen von einer Firma eingebaut und das Dach gedeckt. Auf der Ostseite sorgt ein 2 m hohes Fensterband für Tageslicht.

Der Schuppen hat eine Länge von  30 m  und ist 18 m breit. Auf  3 Gleisen können 4 Lokomotiven sicher und wettergeschützt untergestellt und untersucht werden. 2 Gleise weisen Untersuchungsgruben auf. Für die Maschinen, wie Drehbank, Bohrwerk usw. ist Platz an den Hallenseitenwänden. Ein niedriger Anbau dient der Materiallagerung. In der Halle wurde ein 10 t Laufkran eingebaut. Er erleichtert Arbeiten mit den schweren Teilen der Loks, wie Luftpumpen, Achsen, Treibstangen. Er wurde am 21.10.2011 in Betrieb genommen.

Parallel zum Hallenbau entstand unter dem großen Hallendach der Bau eines neuen Sozialgebäudes. Die Bauenehmigung kam am 5. Februar 2009. Schon bei den Gründungsarbeiten für das Dach wurden auch Wasser- und Abwasserleitungen sowie das Plattenfundament des Hauses hergestellt. Nach Abschluß des Hallenbaus wurde nach und nach das Gebäude gemauert und eingedeckt. Anschließend erfolgte der Innenausbau. Im Erdgeschoss liegt ein großer Raum, der für vereinsinterne Veranstaltungen und Schulungskurse verwendet wird. Ein Abstellraum, ein Lager für den Buffetwagen, eine Teeküche und WC ergänzen ihn.

Von der Bahnsteigseite sind 2 Kunden-WC zugänglich. Im Obergeschoß, dessen Zugang von außen über eine Treppe erfolgt, sind ein Aufenthaltsraum mit Spinden und Sanitärräume untergebracht. Eine begehbare Dachterrasse mit Blick in den überdachten Bahnhof ist vom Aufenthaltsraum zugänglich. Das Gebäude wurde am 30. Dezember 2013 eingeweiht und in Betrieb genommen.

K.Schulte
23.09.2016